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Eine ungewöhnliche Künstlerbiografie
Der Künstler Norbert Then Seine Welt der Kunst aus Magie, Tanz und Traum
Der erste Eindruck bei der Begegnung mit einem Kunstwerk ist prägend genauso wie die erste Begegnung mit einem Menschen.
Beides trifft auf den Künstler Norbert Then und seine Kunst zu. In Stadtlohn im westlichen Münsterland führt er ein Leben des offenen Ateliers in seinem Kunst-Klärwerk, das mittlerweile als Geheimtipp für einen großen und immer größer werdenden Kreis von Liebhabern und Verehrern seiner Kunst und seiner Persönlichkeit gilt. In dieser Kleinstadt im Kreis Borken ließ er sich erst 1991 aus privaten Gründen nieder, unüberhörbar ist jedoch seine unterfränkische Herkunft.
1962 wurde er in dem kleinen Ort Aidhausen in der Nähe von Würzburg geboren.
Nach der Schule lernte er bei seinem Onkel, einem Spenglermeister, das Metallhandwerk und legte 1986 in Würzburg die Meisterprüfung ab.
Schon während der Lehre kam er durch zahlreiche Restaurierungsaufträge seiner Firma in Kontakt mit Restauratoren und Kunsthistorikern. In der katholischen und romantischen Umgebung seiner Heimat gab es viele kunsthistorisch wertvolle Kleinode, die erhalten werden mussten. Wie in einer mittelalterlichen Bauhütte wirkten mehrere Gewerke zusammen, so auch Norbert Then und die Firma seines Onkels. Norbert Then nutzte die Möglichkeit dieses vielfältigen Austausches, schaute den Künstlern und Restauratoren intensiv über die Schulter und eignete sich viele handwerkliche und historische Grundlagen an. Doch das war ihm nicht genug.
Er bewarb sich beim Deutschen Entwicklungsdienst und wurde nach einer intensiven Vorbereitungszeit als Ausbilder und Projektleiter nach Ghana in Westafrika geschickt. Von 1988-1991 verbrachte er dort drei intensiv gelebte und genutzte Jahre. Die Begegnung mit der afrikanischen Kultur, lange bevor ihn die Plastiken von Alberto Giacometti (1901-1966) faszinierten, prägte ihn bis heute. Einige bronzene Kleinplastiken aus West-Afrika schauen ihm noch heute bei seiner künstlerischen Arbeit in seiner Atelierwerkstatt in Stadtlohn zu.
Nach seiner Rückkehr aus Ghana 1991 begann er eine zweijährige Ausbildung zum staatlich geprüften Techniker der Baudenkmalpflege auf Schloss Raesfeld in der Nähe von Stadtlohn. 1993 schloss er diese Ausbildung äußerst erfolgreich ab. Die weitere intensive Beschäftigung mit der Materie, eine interdisziplinäre Ausbildung in allen Gewerken der Restaurierung sowie die Vermittlung der theoretischen Kenntnisse in der Kunst- und Baugeschichte öffneten weitere Türen seiner Kreativität.
Ein alter Lokomotivschuppen, den er von der Stadt Stadtlohn anmietete, wurde sein erstes Atelier, an das er viele Ideen knüpfte. Zusammen mit seinem Freunden baute er den Schuppen aus, restaurierte ihn und veranstaltete dort seine erste Ausstellung. Die Resonanz war überwältigend. Der Stein des künstlerischen Anstoßes war endlich ins Rollen gekommen und löste eine kreative Lawine aus.
Ein Geschäftsmann aus Dorsten wurde sein erster Mäzen und Förderer. 1999 war Then Mitinitiator des Kunstfestivals "Virtuell-Visuell" in der Astrid-Lindgren-Schule in Dorsten. Er wirkte als Kunsterzieher und als Angestellter des JFB in Stadtlohn. Von 1999-2002 gestaltete er das Kauengebäude der stillgelegten Minister-Stein-Zeche in Dortmund in ein Nachtcafe mit Soulclub und Atelier um. Für diese Neugestaltung erhielt das PRISMA den German Disco Award als Auszeichnung. Zahlreiche erfolgreiche Ausstellungen in Abetifi/Ghana, Münster, Berlin, Stadtlohn, Dorsten, Winterswijk/Niederlande, Bremen, Moers und Dortmund begleiteten ihn seit 1993. Und das sind nur einige Aktivitäten der letzten Jahre.
Ein Einschnitt war der Umzug vom Lokomotivschuppen auf das Gelände des ehemaligen Klärwerkes am Ortsrand von Stadtlohn im Jahr 2000. Viel Arbeit war nötig um den ehemaligen riesige kreisrunde Tropfkörper in eine Atelierwerkstatt umzuwandeln. Die Idee des "Kunst-Klärwerks" nahm Formen an. Im Oktober 2001 fanden die ersten Künstlertage statt. Das Kunst-Klärwerk ist seitdem Anlaufstelle für viele Workshops, für zahlreiche Künstlertreffen und der Geburtsort für seine zahlreichen künstlerischen Ideen.
Then ist zwar vordergründig Bildhauer, zwischendurch immer wieder Maler, doch eigentlich sieht er die künstlerische Welt als Ganzes, in der er Licht, Raum, Malerei und Bildhauerei zu eindrucksvollen Installationen verquickt. Die Nähe und die Liebe zum Material sind überall präsent, begründet in seiner fundierten handwerklichen Ausbildung. Sein Atelier wirkt durch Schraubstöcke, Schweißgeräte und zahlreiche Werkzeuge eher wie eine Werkstatt. Doch die Aufstellung seiner fertigen und halbfertigen Installationen und Plastiken im großen Rund des ehemaligen Beckens lassen diesen basisnahen Eindruck schnell vergessen. Der Anblick der tanzenden Figuren aus Metall oder die Metallkugel, die geheimnisvoll aus ihren Durchbrechungen Licht von innen nach außen freigibt, üben eine magische Anziehungskraft auf den Betrachter aus. Vor dem Hintergrund seiner Biografie ließe sich noch so einiges herauslesen, doch die schwebende magische Wirkung seiner "Traumfänger" - so nannte er seine Plastiken erst viel später - sollte bei der ersten Begegnung mit seiner Kunst rein intuitiv aufgenommen werden.
Text:
Elvira Meisel-Kemper
Kunsthistorikerin
Von-Braun-Str.67
48683 Ahaus
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